Ermöglichungspastoral

Wenn wir der Annahme folgen, dass

Kirche, auch jenseits verfasster organisationaler Strukturen, eine Umschreibung für den Raum ist, in dem die befreiende Kraft Jesu Christi im eigenen Leben, im Leben anderer und in den unterschiedlichen menschlichen Bezügen gedeutet, geteilt und erlebt werden kann,

wird die Qualität der Gestalt von Pastoral sich daran messen, ob sie das o.g. ermöglicht, fördert und entsprechende Komunikationsräume gestaltet. Für Frauen und Männer, die in der Pastoral Verantwortung tragen, geht es also darum,

  • Räume zu gestalten bzw. erlebbar zu machen, in denen der einzelne Mensch sein eigenes Leben, seine Charismen, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten wahrnehmen, reflektieren, über sich hinaus denken und ins Gespräch bringen kann,
  • Räume zu ermöglichen, in denen Menschen sich vernetzen, austauschen und differenzierte Möglichkeiten der Deutung ihrer Erfahrungen vor Gott nutzen und gestalten können,
  • differenzierte Begleitungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen,
  • nichts an gestalterischer Ausdrucksform eines Menschen vor Gott als unmöglich zu betrachten,
  • sich als Teil der gemeinsam Lernenden, Suchenden und Glaubenden, also als Teil des Volkes Gottes, mitnehmen und überraschen zu lassen,
  • den Erhalt eigener Bilder, institutioneller Vorerfahrungen und Gegebenheiten hintenan zu stellen,
  • mit jeder Begegnung neu aufzubrechen,
  • polynesisch zu segeln…

Ermöglichungspastoral ist also keine Methode in sich und auch keine Option, die jemand für andere vorhält oder anbietet, sondern folgt einer dialogischen Haltung des radikalen Respektes vor der Würde eines jeden Menschens vor Gott. Sie richtet jeden pastoralen Impuls am Menschen aus und gibt ihn frei, auch wenn dies „systemgefährdend“ ist. Sie ist so differenziert und reichhaltig wie Menschen differenziert und reichhaltig sind. Sie ist nie pastorales „Du darfst jetzt auch, weil ich es Dir (in unserem Machtgefälle) ermögliche und ein Mitmachen erlaube“, sondern logische Konsequenz des Evangeliums und Ausdruck des Vertrauens in die Kraft des Heiligen Geistes. Sie gibt frei.

weiterführende Literatur:

Dorothea Steinebach, Inspirationen aus dem Christushymnus für eine Ermöglichungs- und Berufungspastoral, Pastoraltheologische Information, Jhg. 23, 2012-2, S. 81-90

Dorothea Steinebach, Getauft und engagiert, Vom innovativen Umgang mit den alten und neuen Formen des kirchlichen Ehrenamtes

Verena Krey, Ermöglichungspastoral – ein Selbstversuch http://www.futur2.org/article/ermoeglichungspastoral-ein-selbstversuch/

Bild: Privat Krey

Lass segeln...
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